Johannes Bode

Arbeiten ergรคnzend zu Euforia & Herbst, CV ganz unten.


“free failing”, Drucke mit manipuliertem Tintenstrahldrucker


Der Anhรคufungsapparat

Objekt (ca. 100x60x70 cm) Polyethylen, Holz, Eisen, Lack, Mรผnzen, Audio-Loop

Ausstellungen:
Art Walk GroรŸ Siegharts 2013
Prรคsentation beim โ€œRundgangโ€, Sepmerdepot, 2013
Critical Mess, Bobbin Fabrik Gmรผnd, 2018

Bitte werfen Sie eine Mรผnze ein!โ€

โ€œIring Fetscher deutet unter ironischer Nennung marxistischer Fachkollegen die drei Gaben (Tischlein deck dich, Goldesel, Knรผppel aus dem Sack, Anm.) als Feudalismus, Kapitalismus und revolutionรคren Volkskrieg oder als technologischen, รถkonomischen und politischen Aspekt der bรผrgerlichen Revolution.โ€ (vgl. Iring Fetscher: Wer hat Dornrรถschen wachgekรผรŸt? Das Mรคrchen-Ver- wirrbuch. Hamburg und Dรผsseldorf 1974, zit. n. http://de.wikipedia.org/wiki/Tischchen_deck_dich,_Goldesel_und_Kn%C3%BCppel_aus_dem_Sack#cite_note-4)

Der โ€œGoldeselโ€ hรคuft – als Vorlรคufer der โ€œCash Cowโ€ โ€“ fรผr den Besitzer Kapital an, wenn jemand der Aufforderung folgt und Geld einwirft. Die Mรผnzen rollen vom Mรผnzeinwurf durch den Esel und fallen aus dem Hinterteil innerhalb des Kรคfigs zu Boden. Beim Ausmisten des Stalles kรถnnen die Mรผnzen vom Besitzer einfach entnommen werden. Doch wie auch im Mรคrchen ist der Esel Segen und Fluch zugleich: Das Publikum verlangt zumeist eine Reaktion oder Gegenleistung. Der Apparat spricht zwar (โ€œBitte werfen Sie eine Mรผnze ein!โ€), jedoch zu einem rein zufรคlligen Zeitpunkt und eben nicht als durch die Mรผnze ausgelรถsten Reflex.

Der Esel verrichtet immaterielle Arbeit bzw. produziert durch seine Anwesenheit Mehrwert fรผr den Besitzer. Man kรถnnte auch sagen: Im Grunde arbeitet der Esel nicht, sondern das Geld โ€œarbeitetโ€, รคhnlich wie am Finanzmarkt. Die Investition des Kรผnstlers (Arbeitskraft, Material) wirft auf Dauer immer mehr Gewinn ab.

Auf der Seite trรคgt der Anhรคufungsapparat den Schriftzug โ€œAuch ich musses verstehenโ€, ein Zitat von Berthold Brecht, das hier auf eine zweite Ebene der Ausweglosigkeit hinweist: Trotz oder gerade weil der Esel sich in einem ausbeuterischen Verhรคltnis befindet, bleibt ihm als erster Schritt in Richtung Ausweg nur die Reflexion der (gesellschaftlichen) Verhรคltnisse und seiner Arbeitsbedingungen. (โ€žAuf einen Lรคngsbalken, der die Decke von Brechts Arbeitszimmer stรผtzt, sind die Worte gemalt: ,Die Wahrheit ist konkret.โ€™ Auf einem Fensterbord steht ein kleiner Holzesel, der mit dem Kopf nicken kann. Brecht hat ihm ein Schildchen umgehรคngt und darauf geschrieben: ,Auch ich muss es verstehen.โ€™โ€œ (Walter Benjamin, Aufzeich-nungen 1933-1939. In: Gesammelte Schriften. Frankfurt am Main, BandVI, 1985)

Betrachtet man die โ€œFunktionโ€ der Mรผnzen bzw. den aktiven Vorgang des Einwerfens als Selbstzweck (eben ohne Gegenleistung), so wird Geld auf eigene Weise รคsthetisiert und im รผbertragenen Sinn zur โ€œLiquiditรคtโ€ (der Esel โ€œtrinktโ€ das Geld).


Innovationskette

Videoinstallation, 2014
2 x DV-Pal Loop, 4:3, Farbe; variabler Stall

Ausstellungen:
โ€œWunderkammer der Quantenphysikโ€, Gruppenausstellung, Karl Schweighofer Gasse, Wien und Kunstfabrik GroรŸ Siegharts

โ€œWir nehmen komplexe Sachverhalte, รผber die uns eine รœbersicht nicht zugรคnglich ist, im Rahmen einer etablierten, รผberzeugenden und in sich kohรคrenten Geschichte wahr โ€“ diese Geschichte vereinigen gleichzeitig diejenigen, die sie benรผtzen. […] Die Geschichten sind natรผrlich nicht โ€œwahrโ€, aber sie leben in den Menschen ungeachtet ihres Anteils an kollektiven Paranoien, Hysterien, Verdrรคngungen, Zurรผcksetzungs- und Minderwertigkeitsgefรผhlen, GrรถรŸenwahn und Wรผnschen, die als Realitรคt wahrgenommen werden. Eine Erzรคhlung ist die von der Umbruchsphase, der neuen Grรผnderzeit,in der wir leben; […]โ€ (zitiert aus dem Skriptum โ€œDekadenz und Verschlichterungโ€ von Alfred Pfabigan, 2005)

In dem Projekt โ€œInnovationsketteโ€ (ein Begriff, den FWF-Prรคsidentin Pascale Ehrenfreund bei einer Pressekonferenz verwendete) soll ein wissenschaftliches Diskursfeld in seiner medialen Vermittlung angezapft werden: Welche โ€œGeschichtenโ€ werden uns รผber Quantenphysik erzรคhlt? Staatliche Fรถrderung fรผr Grundlagenforschung wird oft mit Begriffen wie Innovation oder Fortschritt gerechtfertigt โ€“ aber auch mit konkreten Anwendungen: Schnellere Computer, die Heilung einer Krankheiten. Mich interessiert hier aber: Wie wird hier eine komplexe Materie vermittelt bzw. wie wird darรผber kommuniziert? Was wird versprochen? Was glauben wir? Die โ€œInnovationsketteโ€ ist eine Installation, in der die Diskurspositionen auf zwei Monitoren in einem Stall gegenรผbergestellt wurden. Auf einem Monitor laufen Zitate aus Dokumentationen, Wissenschaftsserien und halb-wissenschaftlichen Utopien รผber die Mรถglichkeiten und Anwendungen der Quantenphysik, auf dem anderen Monitor Zitate aus Interviews mit WissenschaftlerInnen รผber eben jene halb-wissenschaftlichen Aussagen.


Am Ende des Gartens

Video, 2014
HD 1195 x 2267, Farbe, Loop
Lichtspiel Allentsteig, Fassadenprojektion, 2015

Video-Still

Das Ausgangsmaterial von โ€œAm Ende des Gartensโ€ ist eine Kamerafahrt entlang einer Hecke. Das Video wurde verlangsamt und verpixelt. Eine unbestimmte, nicht klar zuordenbare Bewegung entsteht einerseits durch die Kamerafahrt, andererseits durch den Wind – was wiederum einen natรผrlichen โ€œFlowโ€ erzeugt.

Das Symbol des Schrebergartens, der sich vom Pachtland zum Nahrungsmittelanbau (Subsistenzwirtschaft) zum โ€œletzten Luxusโ€ der Mittelschicht und weiter zum Symbol fรผr bรผrgerliche SpieรŸigkeit gewandelt hat – โ€œmehr Mรถbel als Lebewesenโ€ (Marcus Woeller, in:โ€œHinter jeder Hecke ein neuer Ort, Die Welt, 12. 4.)


protection errors

Bilderserie, 6 Collagen, Digitaldruck auf Folie, Glas, 50x50cm

Ausgangspunkt fรผr die Bilderserie โ€œprotection errorsโ€ sind sechs Pressefotos aus einer Tageszeitung. Alle Bilder sind im Jahr 2007 innerhalb einer Woche in โ€œDie Presseโ€ erschienen. Die Arbeit โ€œprotection errorsโ€ zeigt diese Bilder, eingescannt und digital bearbeitet, in Kombination mit Druckerfehlfunktionen bzw. Fehlermeldungen.

In โ€œprotection errorsโ€ werden Symbole verwendet, die nicht immer und fรผr jeden klar verstรคndlich sind, aber dennoch etwas vermitteln – nรคmlich das Vorhandensein von Ungewisseheit bzw. Fehlern. Codes, die eines gemeinsam haben: Sie beschreiben eher Vorgรคnge des Verbergens als des Sichtbar-Machens; Kommunikation, die vor allem eines transportiert: Hier lรคuft etwas falsch, es muss eingegriffen werden. Die Bedeutungen sind ambivalent. Erklรคrungsbedarf von โ€œExpertenโ€ ist nรถtig, diedas unverstรคndliche Zeichensystem entschlรผsseln. Die Maske, die in allen Bildern in unterschiedlichen Formen auftaucht, ist gleichzeitig Symbol fรผr Gefahr, Misstrauen, Verstรคndnislosigkeit sowie fรผr Vorsicht und Schutz. Konterkariert wird dieses Verbergen durch die formale, oberflรคchliche โ€œTransparenzโ€ der Arbeit.


Klimax

Installation, Johannes Bode, Roman Wurz & Christian Pfabigan
Video (HD, 4:03 min), 5 Fotografien (60 x 40 cm), Indoor-Garten, Plastikkompost, Insel-Modelle, Testrasen, Schaukรคsten mit div. Natur-Materialien, Sensoren, Mikroskopkamera, Tageslichtlampe

Prรคsentation der Firma “Klimax – Interaktive Naturdesigns fรผr das Eigenheim”, รคsthetisch ansprechende Naturerscheinungen. Gruppenausstellung im Zuge des Viertelfestival Waldviertel zum Thema “Naturmaschine” in der Meridian Passage, Gmรผnd. Diverse Indoor-Gรคrten, Kompost, “Flaschengรคrten”, Produktinformationen und Monitoring mittels Kameras und Sensoren.


Exit Strategies

Einzelausstellung / Installation, Kunstfabrik GroรŸ Siegharts, 2010

“Assistenz”, DV-PAL, 5:39 min

โ€œexit strategies for the creative industry, the prosumers, the cybertariat, the immaterial workers, the pro-amateurs, the symbol-analysts, the digital bohemia, the new precariat and the new workersโ€

Die in der Ausstellung exit/strategies in einem Raum gegenรผbergestellten Arbeiten bewegen sich in den Spannungsfeldern Arbeit/Nichtsun, Sorge/Vorsorge und Auswege/Strategien/Fehler. Im Zentrum steht dabei vor allem die Kommunikation, das โ€œdarรผber sprechenโ€, die Frage von Autorschaft und medialer Inszenierung. Gezeigt wurden Arbeiten, die als halb-dokumentarisch (bzw. als cut-up/Collage) bezeichnet werden kรถnnten: Ausgegangen wird von Texten (Interviews, eigenes Material, Zitate, Aufnahmen, Theorien, Recherchematerial, โ€œFound Footageโ€, etc.), wobei Text als Gewebe bzw. als Zeichensystem verstanden wird, das dekonstruiert werden kann โ€“ und das nach der Bearbeitung re-inszeniert wird. In โ€œassistanceโ€ besteht die Audiospur aus einem TV-Nachrichten-Beitrag; โ€œneeds on lineโ€ ist eincut-up aus den hรคufigsten Anfragen einer Online-Suchmaschine und das โ€œstrategies introโ€ als auch der Titel gehen von aus Bรผchern/Studien รผber Arbeit entnommenen Zitaten aus. Die Frage der Darstellung, der Vermittlung bzw. der Regie bleibt eine zentrale, egal ob es sich um โ€œInformationenโ€ oder โ€œInteressenโ€ handelt.

โ€œneeds on lineโ€ (2010, cut-up/collage, plastik, 141×150 cm) geht folgender Frage nach: Was begehren wir, welche Wรผnsche und Interessen haben wir und wie artikulieren wir unsere Bedรผrfnisse medial bzw. welche neuen Mรถglichkeiten zur Artikulation gibt uns das Medium Internet? Die Arbeit arrangiert die meist-gesuchten Begriffe der Suchmaschine einer Online-Plattform neu. Das cut-up zeigtjene Begriffe, die laut Plattform von Herbst 2009 bis Sommer 2010 am meisten gesucht wurden – und damit auch einen zeitlichen Ablauf. Sind das Kollektiv der Nutzer und die Datenbank selbst die AutorInnen? Oder handelt es sich im Gegenteil um eine WerbemaรŸnahme, die den Nutzer dazu bringen soll, auf ein bestimmtes Thema aufmerksam zu werden?

โ€œAssistenzโ€ (2010, DV-PAL, 5:39 min) ist eine Reaktion auf den Begriff โ€œsubjektives Sicherheitsgefรผhlโ€. Assistenz ist Beistand. Wenn wir Trauerarbeit leisten, brauchen wir Beistand. Wenn wir um die Grenze, um unsere Eingrenzung, trauern, geben uns die Politiker Beistand. Sie reden uns gut zu und versichern uns, dass sie sich um uns kรผmmern. Der Assistenzeinsatz des รถsterreichischen Bundesheeres im Burgenland zeigt, wie sehr das โ€œsubjektive Sicherheitsgefรผhlโ€ vieler Menschen von medialer Inszenierung abhรคngt. Der Einsatz selbst bringt in der Sache nichts; sondern das Ereignis ist per se das vermittelte, mediale, inszenierte Ereignis. Das Video zeigt einen Fake-Bundesheer-Einsatz in Gmรผnd/Nร–, nahe der Tschechischen Grenze, patroulliert wird jedoch in der Kleingarten-Anlage โ€œKlein Mallorcaโ€.

โ€œJe stรคrker der Autor als verschwunden und Mythos beschworen wurde, destoprรคsenter erschien er. […] Letztlich hat Barthes wohl den Autor durch die Proklamation dessen Todes erst richtig zum Leben erweckt, weil als DiskursbezuggrรถรŸe massiv aufgebaut. […] Worum es (wohl auch bei Barthes) geht, wurde seltenbenannt: Nรคmlich das der Autor kein Gott ist, der autonom eine Welt schรถpft,sondern, dass in jedem Werk dahingehend ein Eigensinn steckt, dass der Autormehr kombiniert, was er sieht, erfรคhrt, erfรผhlt und in eine eigene Form gieรŸt, alsdass er etwas Niedagewesenes auf den Tisch wirft.โ€ (Ben Kaden)

โ€œstrategies & malfunctionsโ€ (2010, DV-PAL, 8:41 min) beschรคftigt sich mit Arbeitsbedingungen junger Menschen in der sogenannten Peripherie โ€“ dem Grenzraum. Grundlage sind Interviews mit Menschen, die weder als klassische Arbeiter noch als neues Prekariat bezeichnet werden kรถnnen, die zur Generation Praktikum genauso wenig zu zรคhlen sind wie zur den โ€œCreative Industriesโ€, die aber kreative bis unbeholfene Ansรคtze entwickeln, Strategien anwenden und โ€œSystemfehlerโ€ nutzen, um nach ihren Vorstellungen von (Erwerbs-)Arbeit leben zu kรถnnen. Im Zentrum steht dabei auch die Dokumentation der Vielfรคltigkeit an Taktiken, die angewendet werden. Und die Fragen: Funktionieren diese Strategien als Auswegoder passen sie sich eigentlich nur der abverlangten Flexibilitรคt an? Werden die Lebensentwรผrfe bewusst auf diese Unsicherheit hin angelegt oder sind sie die letzte gerade noch ertrรคgliche Mรถglichkeit? Dem Gedanken von Frederick Wiseman, dass das Material manipuliert werden muss, um als Film zu funktionieren, steht die Frage nach der Autorenschaft und Sprecherposition gegenรผber.


frames, passages & transitions

Videoinstallation, 2008
DV-PAL-Video, Digitaldruck 45 x 30cm

Ausstellungen:
800 Minuten Zukunft, sub etasch, Gmรผnd, 2008
presentation08, Fluc, Wien, 2008
รœbergรคnge-Prechody, Gmรผnd, 2009
Kunstfabrik, GroรŸ Siegharts, 2009
dieWochentage, Alter Schlachthof Hollabrunn, 2010

โ€œDie Karte, sagt Rekacewicz, ist durch ihre politische Dimension der Austragungsort vielfรคltigster Manipu- lationen, offensichtlicher wie unsichtbarer. Sie kann ein Propagandainstrument der Mรคchte in Wirtschaftund Politik sein. Staaten, Lobbygruppen, multinationale Konzerne und internationale Organisationen bedienen sich ihrer, um ihre Macht zu festigen oder uns ihre jeweilige Weltsicht einzuprรคgen. Eine Karte verleiht ein Gefรผhl von Macht und nรคhrt die Illusion, man beherrsche ein bestimmtes Gebiet.โ€ (โ€œEin Zeichner seiner Zeitโ€, Judith Huber, http://www.woz.ch/artikel/inhalt/2005/nr19/Wissen/11795.html)

โ€œDenn die Karte als Artefakt ist mit Deleuze ein Plateau mit mehreren Schichten und Zugรคngen, die eineneue Form des Sehens skizzieren – nรคmlich die einer Projektion der Unendlichkeit in der Aufsicht – und neue Arten von Abstraktion, von Abstrahierungen als Diagramme. Dieser ikarische Blick ist somit ein Weltblick, der das Territorium ins Visier nimmt, ein beweglicher, zielgerichteter Blick, der deskriptiv wie konstruktiv wirkt. Bedeutet dies, dass die Karte in einer Zeit der Globalisierung und einer Kultur der Strรถmungen und Instabilitรคten, einer zunehmend maschinischen globalen Zeit, das Modell des Virtuellengeworden ist?โ€
(Christine Buci-Glucksmann)

ฤŒeskรฉ Velenice, vor 1920 โ€œUnterwielandsโ€ und von 1938 bis 1945 โ€œGmรผnd IIIโ€, ist eine tschechische Stadt am westlichen Ufer der Lainsitz, am รถstlichen Ufer liegt die รถsterreichische Stadt Gmรผnd (Niederรถsterreich). Die Staatsgrenze als Konstituens fรผr das Format ร–sterreich bzw. Tschechien bleibt, doch mit dem Schengen-Vertrag wird die Funktion und die Bedeutung der Grenze verschoben. Die Tatsache, dass die Grenze frei und groรŸteils ohne Kontrollen passierbar ist, รคndert die Bewegungen der in der un-mittelbaren Grenzregion lebenden Bevรถlkerung. Neue รœbergรคnge entstehen. Offensichtlich wirken sich die โ€œoffenen Grenzenโ€ vor allem auf das Konsumverhalten der Menschen aus: ฤŒeskรฉ Velenice ist generell billiger, Gmรผnd bietet mehr Auswahl. Die Tschechen kommen nach Gmรผnd, die ร–sterreicher kaufen in ฤŒeskรฉ Velenice ein.

Im Video โ€œFrames, Passages & Transitionsโ€ werden Bilder aus beiden Stรคdten den Aussagen dort lebender junger Menschen gegenรผbergestellt und die Entstehung von Passagen, Transitions (รœbergรคngen) und Frames (Rahmen) durch das Erleben und Bezeichnen des Stadtraumes untersucht. Frames werden nicht nur durch die Grenze, sondern etwa auch durch die Bezeichnungen โ€œGmรผnd 1โ€ (der alte Stadtteil), โ€œGmรผnd 2โ€ (der jรผngere Teil, durch ein Flรผchtlingslager entstanden) und ฤŒeskรฉ Velenice (die Bezeichnung โ€œGmรผnd 3โ€ ist noch gelรคufig) gebildet. Passage wird als reiner Durchgang oder Weg verstanden, eine Verbindung, die aber den รœberschreitenden nicht verรคndert โ€“ im Gegensatz zur Transition,die auch eine Verรคnderung des Zustandes durch den Raum beschreibt.

Der modifizierte Stadtplan von Gmรผnd und ฤŒeskรฉ Velenice ist ein utopisch-naiver Versuch, das Fรผhlen und Erinnern von Raum und Stadt, gewohnte Bewegungen in der Stadt und individuell vertraute Orte in anarchistische Stadtplanung zu integrieren. Hintergrund: Karten sind gar nicht so stabil, wie sie scheinen, denn Karten sind auch immer Orte der Reprรคsentationen und der Hierarchien. Insgesamt ein Konflikt: Ort versus Nicht-Ort, Abstraktion versus Detail, รถffentliche Reprรคsentation des Raumes versusinnerer Bilderwelt. Der neue Stadtplan ist neben diversen Modifikationen vom GroรŸteil der Namen und Bezeichnungen โ€žbefreitโ€œ, eine symbolische ร–ffnung des Raumes, die die Bezeichnung รถffentlichen Raum ernst nimmt und ihn zum Allgemeingut erklรคrt – jeder soll sich in ihm einschreiben dรผrfen.

Videostill

Johannes Bode
Wien/Gmรผnd
johannes (at) subetasch (.) org

CV
2019 Kulturpreis des Landes Nร– fรผr Subetasch, Anerkennungspreis, Sparte Kulturinitiativen 2010-2012 Mitglied des Fachbeirates fรผr Jugendkultur (Come On), Kulturvernetzung Nร–
2007-2018 Studium an der Akademie der bildenden Kรผnste Wien (Kunst und digitale Medien)
2007 Grรผndung der Kulturinitiative/des Kรผnstlerkollektivs Subetasch
2006 Auslandssemester an der Universitรคt Aarhus, Dรคnemark
2001-2009 Studium Publizistik, Philosophie und Politikwissenschaft, Universitรคt Wien

PERFORMANCES & PROJEKTE

2024 Anti-Jedermann, รœberarbeitung, Regie, Wald4tler Hoftheater
2023 Versuch, irgendwas zu verstehen Regie & Bรผhne, Wald4tler Hoftheater
2022 Verletzte Jugend von Falk Richter, Regie, Wald4tler Hoftheater
2021 Walden Wiederaufnahme im Wald4tler Hoftheater & Start Verfilmung
2020 Nothing hurts von Falk Richter, Regie, Wald4tler Hoftheater
2019 Walden Theaterperformance mit Rina Juniku, Regie, Wald4tler Hoftheater, Pรผrbach/Nร–
2018 the no-show Finale, Installation & Performance, Semperdepot Wien
2017 Pink Flamingo, Wald4tler Offtheater, Regie & Bรผhne, Pรผrbach / Nร–
2015 the no-show Performance, Progress Festival #7, Wald4tler Hoftheater, Pรผrbach/Nร–
2014 Naturmaschine Gruppenausstellung, Viertelfest Waldviertel, Meridian Passage Gmรผnd
2013 Die Kunst, im Nichts zu sein Performance, Hoftheater, Pรผrbach
2011 we, in exit Performance, Eisenberger Fabrik Gmรผnd und mo.e, Wien
2011 szkiz Musik/SoundArt-Projekt in London (UK), Lodz (PL) und Wien
2010 Progress Festival fรผr elektronische Musik & Performance, sub etasch, Gmรผnd
2009 Dance! Dance! Dance! Performance, Roter Bogen, Wien
2009 Feast Performance, Roten Bogen/Wien, Subetasch Gmรผnd, โ€œtranslocation09โ€, Grafenschlag/Nร–

AUSSTELLUNGS- & FESTIVAL-BETEILIGUNGEN
(Auswahl)

2025 Sorry Ausstellung, Bobbin Fabrik Gmรผnd
2022 Tour Subetasch Kollektiv Ausstellung, Kunstfabrik GroรŸ Siegharts
2019 Junge Regionale, Gruppenausstellung, Waidhofen/Nร–
2018 Archiv der guten Vorsรคtze, Performance, Viertelfestival Nร–, Bobbin Fabrik Gmรผnd
2016 Get in the Car! Installation und Performance, Progress Festival, Pรผrbach/Nร–
2015 Boring River Soundbeitrag fรผr den Film von Rainer Prohaska, Premiere: Donaufestival Krems 2014 Wunderkammer der Quantenphysik Gruppenausstellung, Karl-Schweighofergasse Wien und Kunstfabrik GroรŸ Siegharts
2013 perSe Gruppenausstellung, synkoop, Wien
2012 You can be my double if i can be yours Screening & Performances, brut Wien
Background Kooperation von sub etasch und Fleda in Gmรผnd/Nร–, Wien und Brno/CZ
2011 Ende, Gruppenausstellung, Garelligasse, Wien
Edi Nulz haben Filme Videoscreening, Ceske Velenice (CZ)
Home Sweet Home Video/Sound fรผr Szene Bunte Wรคhne, Eisenberger Fabrik, Gmรผnd
2010 DieWochentage Gruppenausstellung, Alter Schlachthof Hollabrunn
Exit/Stratregies Einzelausstellung, Kunstfabrik GroรŸ Siegharts
Das Spiel mit der Angst Gruppenausstellung, Dobersberg/Nร–
2009 รœbergรคnge-Prechody Gruppenausstellung, Eisenberger Fabrik, Gmรผnd
Junge Kunst Gruppenausstellung, Kunstfabrik GroรŸ Siegharts
2008 Klassengesellschaft Ausstellung im Rahmen des Monats der Fotografie und der viennaartweek, Semperdepot Wien
2007 Nachtflugexpeditionsschrei Lesung/Performance/Screening mit Carola Schmidt, Kino Gmรผnd