Kann man “Endspiel” von Samuel Beckett zu Ende spielen?
Und warum haben wir dafür vier Pferde gekauft?
Der Blick auf die immer komplexer werdende Welt enthüllt die Ohnmacht des Einzelnen, die Zusammenhänge wirklich noch zu kapieren. Ausgehend von Samuel Becketts Theaterstück „Endspiel“ und Theodor W. Adornos Text „Versuch, das Endspiel zu verstehen“ versucht dieses Theaterexperiment, Herangehensweisen für das Scheitern an (einfachen) Wahrheiten zu finden. Steht das Ende bevor? Ist unser letzter Ausweg die Künstliche Intelligenz? Oder bleibt uns nur der Humor? Was können wir verstehen? Müssen wir überhaupt verstehen?
“Shakespeare had it on Beckett by a few hundred years when he described existence as ‘a tale / told by an idiot, full of sound and fury / signifying nothing’.” (Van Badham, The Guardian)
Mit: Rina Juniku, Michaela Schausberger, Philipp Stix, Caroline Hierländer, Moritz Hierländer
Text: Jakob Kraner und Johannes Bode
Regie: Johannes Bode
Bühne: David Cornelius, Johannes Bode
Kostüme: Julia Herbster
Licht: Dominik Herout
Musik: Moritz Hierländer
Vorstellungen:
25. & 26. August 2023
1. & 2. September 2023 (im Rahmen des Progress Festival)
Wald4tler Hoftheater, Pürbach
www.hoftheater.at







Allgemeines Handout
Mehrere “wahre Geschichten” haben unsere Produktion “Versuch, irgendetwas zu verstehen” inspiriert, drei davon wollen wir dem Publikum nicht vorenthalten (den Rest versuchen wir nach wie vor, selber zu verstehen).
1)
Vor vielen Jahren kam tatsächlich ein Pferd ins Hoftheater. Die Geschichte, die anfängt wie der bekannte Witz, hat eine dramatische Wendung: Das Pferd sprang durch die Fensterscheiben des Theatercafés, fiel fast auf Regisseurin Victoria Schubert und verendete im Café. Das Tier war angeblich zuvor aus einem Pürbacher Stall entlaufen …
2)
Während einer Aufführung vor vielen Jahren stand plötzlich die Polizei im Innenhof des Wald4tler Hoftheaters: Man suche einen Schauspieler, er sei hoch verschuldet, das Gericht habe eine Pfändung angeordnet und er müsse jetzt abgeführt werden. Der damalige Intendant Harry Gugenberger soll es, so die Geschichte, geschafft haben, die Polizisten zu überzeugen, den Schauspieler noch das Stück zu Ende spielen zu lassen, bevor sie ihn mitnehmenl.
3)
“Jede Produktion von Endspiel, die meine Bühnenanweisungen ignoriert, ist für mich völlig inakzeptabel”*, schrieb Beckett 1984. Der Autor war sehr streng, und auch die Nachlassverwalter sind es noch – jede Inszenierung, die seine Vorgaben missachtet, wird gerichtlich verfolgt. Als wir uns vor über einem Jahr überlegt haben, eine geänderte Fassung von “Endspiel” zu inszenieren, wies uns Intendant Moritz Hierländer auf die Problematik hin. Wir stellen uns nach wie vor die Frage, ob wir “Endspiel” überhaupt noch auf die Bühne bringen könnten. Die Besetzung der Hauptrollen mit Frauen wäre etwa nicht möglich. Autorin Van Badham ist jedenfalls der Meinung, dass man Becketts Stücke aufgrund der strengen Regeln, die jede Art der Aktualisierung verhindert, gar nicht mehr aufführen könne (siehe http://www.theguardian.com/culture/2015/apr/06/endgame-review-innovation-choked-by-samuel-becketts-strict-staging-edicts).
* “Any production of Endgame which ignores my stage directions is completely unacceptable to me.”
